Radon
Als wir 2017 unser Haus (BJ 1962) gekauft haben, wussten wir das da einiges zu tun ist. Womit wir aber nicht gerechnet haben war dass es darin eine hohe Radonbelastung gibt.
Was bedeutet das?
Radon ist ein natürliches Edelgas, das beim Zerfall von Uran im Gestein entsteht und durch Risse im Fundament in Gebäude eindringt. Es ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Wenn die Luft eingeatmet wird, zersetzen sich die Radonteilchen in der Lunge und beschädigen das Lungengewebe durch ionisierende Strahlung.
Radon ist geschmacks-, geruchs- und farblos. Eine hohe Belastung lässt sich ohne spezielle Messgeräte nicht feststellen.
Wie haben wir das gemerkt?
Das war Zufall: 2019 gab es eine Saarlandweite Studie des Umweltbundesamtes bei dem die Teilnehmer Teströhrchen für Radonmessungen in verschiedenen Räumen platzieren sollten. Ich habe mich damals einfach aus Interesse freiwillig gemeldet.
Nach einem halben Jahr bekamen wir dann die Ergebnisse für unser Haus: Die langfristigen Werte lagen ca. bei 400 Bq/m³ Luft in den beiden Räumen, die ich geprüft habe und damit über dem in Deutschland geltenden Referenzwert von 300 Bq/m³, der laut Experten eh schon zu hoch angesetzt ist.
Generell gilt, dass es keine unbedenkliche Radon-Konzentration gibt, aber Werte unter 150 Bq/m³ noch “gut” sind. Je höher der Wert desto höher das Risiko für Lungenkrebs.
Was haben wir dann gemacht?
Zunächst einmal fanden wir das richtig blöd. Vor allem weil Tom als Baby ja schon viel davon abbekommen hat und es gerade für ein sich entwickelndes Lungengewebe ein ernstzunehmendes Risiko darstellt.
Ich habe also zunächst einmal eigene, aktive Messgeräte besorgt und andererseits Experten gesucht, um das Problem in den Griff zu kriegen.
Durch die eigenen Messgeräte konnten wir sehen wann wir auslüften müssen um die Konzentration zu senken. Was uns aber auch auffiel: Bei Luftdruckveränderungen, gerade in den Wintermonaten, kam sehr viel Radon auf einmal aus dem Boden. Im Keller waren Werte zwischen 4.000 und 8.000 Bq/m³ keine Seltenheit und auch im Flur wurden die 2.000 Bq/m³ oft gerissen.
Einige Maßnahmen des Experten, der unser Haus damals untersucht hat, konnten wir schnell umsetzen: Ein Lüfter mit Wärmerückgewinnung im Flur und dichte Kellertüren haben das Problem teilweise eingedämmt.
Dennoch waren die Werte teils noch zu hoch. Es führte kein Weg an einer dedizierten Radonabsauganlage vorbei.
Dafür wurden in unserer Bodenplatte sechs Kernbohrungen vorgenommen und ein Rohrleitungssystem zu einer Pumpe installiert. Diese fördert das Radon, bevor es durch die Bodenplatte kommen kann, nach draußen, wo es sich direkt zerstreut.
Seit dem ist unser Wert größtenteils normal. Lediglich bei großen Wetterumschwüngen kommt mal etwas mehr hoch, was dann aber durch Lüften regulierbar ist. Die Messgeräte warnen uns ja.
Die Pumpe läuft 24/7 das ganze Jahr und muss einmal jährlich gewartet werden. Verbraucht ca. 1.900 kWh Strom pro Jahr.
Die ganzen Maßnahmen haben uns in Summe 23.000 € und eine Menge Nerven gekostet.
Falls ihr das auch wissen wollt…
Wenn wir uns kennen: Meldet euch bei mir. Ich habe aktive Messgeräte und kann euch die gerne leihen oder damit vorbei kommen, damit ihr das auch prüfen könnt.
Im Neubau ist normalerweise keine Radonbelastung messbar, denn heutzutage wird einfach eine Folie in die Bodenplatte integriert die kein Radon durchlässt. So eine einfache Lösung kann man leider bei Altbauten nicht nachholen.
Je nach Region können aber viele alte Häuser betroffen sein. Die Dunkelziffer ist hoch, weil so etwas normalerweise niemand prüft.
