Private Digitale Souveränität

Digitale Souveränität Digitale Souveränität

Eine interessante Fragestellung die man sich heutzutage, nicht nur aber auch, als EU-Bürger stellen muss ist: Wer kontrolliert meine digitale Existenz? Ich? Oder ein Unternehmen in Kalifornien?

Jede App, jeder Dienst sammelt Daten. Ob Google, Meta, Amazon, Apple. Sie lesen unsere Mails, empfehlen die Produkte die wir mögen, kennen unseren Standort und wissen mit wem wir vernetzt sind.

Solange wir Dienste nutzen, für die wir nicht bezahlen, sind wir selbst das Produkt.

Es ist wichtiger denn je hier die Kontrolle zu behalten.

Aus folgenden Gründen:

Konto-Sperrungen ohne Vorwarnung

Immer mehr Nutzer berichten von plötzlich gesperrten Google-, Facebook- oder Instagram-Accounts nach vermeintlich harmlosen Verstößen. Oder ganz ohne Angabe von Gründen, weil das eine Blackbox eben so entschieden hat.

Dann wars das erst mal mit den Mails, oder Nachrichten auf diesen Plattformen. Wenn dann noch Unternehmen oder Behörden über diese Accounts mit euch kommunizieren wird es kompliziert.

Datenweitergabe an Dritte

Die Plattformen kombinieren die Daten aus vielen Quellen zu einem detaillierten Profil. Das dann als Trainingsdatensatz für KIs genutzt wird. Oder auch an fremde Regierungen weitergegeben wird.

Lock-in-Effekte

Je mehr und je intensiver diese Dienste genutzt werden, desto schwieriger wird ein Wechsel. Bei Preisanpassungen oder Änderungen an den Nutzungsbedingungen entsteht dann ein hoher Aufwand.


Und noch ein krasses Beispiel was passieren kann: Die Richterin Beti Hohler vom Internationalen Strafgerichtshof hatte Donald Trump verärgert, nachdem sie eine Anklage vorgetragen hatte. Dieser setzte sie und zehn weitere Mitarbeiter auf eine Sanktionsliste. In wenigen Tagen wurden diesen Leuten die Kreditkarten gekündigt, die Bankkonten geschlossen, die Apple-, Amazon-, PayPal- und weitere Konten gesperrt.

Die gesamte digitale Existenz dieser Menschen wurde vernichtet ohne das sie etwas dagegen tun konnten!

Digitale Souveränität ist ein wirklich wichtiges Thema! Gerade jetzt wo sich zeigt, dass die USA uns nicht freundlich gesinnt sind!

Was man tun kann

Am wichtigsten ist es meiner Meinung nach die Kommunikation mit seinen Kontakten, Behörden und Unternehmen aufrecht erhalten zu können. Das heißt E-Mails und Messenger sollten unabhängig sein.

Für E-Mails gibt es gute Anbieter in Europa. Ich selbst habe für meine Familie Protonmail ausgewählt, aber es gibt auch andere Anbieter wie Tuta oder Posteo.

Wichtig ist es, dass sie in Europa gehostet sind und die EU-Datenschutzgesetze einhalten. Alle genannten verschlüsseln die Daten so, dass sie selbst auch nicht dran kommen ohne eure Zugangsdaten.

Nicht falsch verstehen: Ich nutze auch Googlemail. Ein Google-Account bietet viele Vorteile und ist für manche Dienste notwendig. Aber ich habe nach und nach alles Wichtige auf die Proton E-Mail Adresse (die auch hier im Impressum steht) umgezogen, damit ich von Google weitgehend unabhängig bin.

Für Messenger ist es schwieriger Alternativen zu finden. Ein Teil meiner Kontakte nutzt Threema was ich auch immer bevorzugen würde. Ein Schweizer Messenger, sehr sicher, kostet aber einmalig ein paar Euro. Leider Closed-Source.

Ein anderer Teil nutzt Signal. Signal ist Open-Source und niemand kommt an eure Daten (solange ihr kein Backup in einer Cloud parkt). Allerdings werden die Signal Server auf AWS (Amazon Web Services) gehostet, was hier ein kleines Manko ist.

Der Großteil meiner Kontakte läuft leider immer noch über WhatsApp. Aber immerhin würde ich nicht alle verlieren wenn Meta dummes Zeug macht.

Wer das hier liest und einer meiner WhatsApp-Kontakte ist, darf gerne zusätzlich Signal oder Threema installieren. Ich würde mich freuen.

Ansonsten sollte man noch schauen wo man seine Daten parkt. Google Drive und Dropbox sind hier die Klassiker, die ich tatsächlich auch noch nutze. Aber zusätzlich und nicht für die ganz wichtigen Sachen.

Meine Wahl ist hier Proton Drive, was sich ähnlich gut integriert wie Google Drive und in unserem Proton Abo mit drin ist. Ein anderer Weg wäre so etwas per Nextcloud selbst zu hosten.

Auch Passwörter sind in bei mir in Proton Pass mit drin. Nicht im Browser gespeichert und nicht in irgendwelchen US Cloud Password Managern. Auch hier gibt es viele Alternativen wie z.B. KeePassXC.

Das wäre erst mal das Wichtigste, meiner Meinung nach. Man kann mehr tun, z.B. weg von YouTube hin zu PeerTube, Weg von Instagram hin zu Pixelfed, statt Amazon eher bei Otto bestellen usw.

Das ist aber meiner Meinung nach zweitrangig. Die Kontrolle über die eigenen Daten ist was zählt!

Wer mehr machen will findet bei der Seite zum Digital Independence Day noch Ideen.