Klettern

Eine meiner absoluten Lieblingsbeschäftigungen überhaupt ist das Klettern. Aber warum eigentlich? Lange habe ich mich das überhaupt nicht gefragt sondern einfach gemacht und war glücklich dabei.

Es ist schön mit Menschen die man mag und denen man vertraut in der Natur (oder von mir aus auch der Kletterhalle) zu sein und sich zu bewegen, anzustrengen, sich selbst zu fordern und Probleme zu lösen.

Das ist aber nicht das was ich am meisten daran mag. Es ist der Flow! Dieses schwer zu beschreibende Gefühl ganz da zu sein. Im Augenblick. Alles andere auszublenden und nur das zu tun was man gerade jetzt tut.

Der Flow hat nichts mit Adrenalinschüben zu tun. Ganz im Gegenteil. Man ist im Grunde sehr entspannt und gleichmäßig dabei.

Vielleicht kennt ihr das von anderen Tätigkeiten wie Musik machen, Kraft- oder Akrobatiktraining, Gleitschirmfliegen, Stricken oder was auch immer für euch funktioniert. Klettern ist auch nicht das einzige was mich in den Zustand versetzen kann. Ich hab das auch manchmal beim Programmieren oder auch im Iaido-Training gehabt.

Aber beim Klettern und Bouldern erreiche ich den Flow am zuverlässigsten.

Probiert es doch selbst mal aus. Vielleicht funktioniert es bei euch auch! Aber vorsicht, es kann süchtig machen.

Wir haben viel zu wenig geklettert als die Kinder noch klein waren und wollen nun wieder öfter los ziehen. Die beiden sind jetzt alt genug um selbst damit anfangen zu können.

Tom hat noch etwas Höhenangst und Timo Probleme beim Loslassen, aber das wird schon!

Aber ist das nicht gefährlich?

Das kommt drauf an. Es gibt verschiedene Spielarten des Kletterns. Ich persönlich habe einiges ausprobiert.

Toprope-Klettern

Toprope-Klettern Toprope-Klettern

Toprope-Klettern in der Halle oder an typischen eingebohrten Kletterfelsen würde ich als die ungefährlichste Spielart sehen. Das Seil ist da schon da bzw. es kann über einen ungefährlichen Weg auf den Felskopf von oben eingehängt werden.

Man bindet sich ein und der Sicherer kann einfach immer nachziehen. Wenn stramm genug gesichert wird, bleibt man praktisch an der Stelle an der man losgelassen hat. Oder geringfügig darunter wegen Seildehnung und Pendelei. Da passiert meist gar nichts.

In der Halle gibt es mittlerweile vermehrt Autobelay-Geräte. Mit denen braucht man gar keinen Partner zum Sichern mehr und kann einfach los legen. Ich mag das, aber es hat einen Nachteil: Man kann sich nicht mal ins Seil setzen und ausruhen wenn man mitten in der Route ist. Das Ding lässt einen gnadenlos ab.

Bouldern

Bouldern Bouldern

Bouldern ist das Klettern ohne Seil in Absprunghöhe. In der Halle sind unter den Boulderrouten dicke Matten. Am Fels nimmt man Crashpads mit. Das sind tragbare zusammenklappbare Fallschutzmatten. Im Idealfall hat man noch einen oder mehrere Leute, so genannte “Spotter”, die einen, wenn man abrutscht so stupsen, dass man richtig auf der Matte landet.

Obwohl es in Absprunghöhe ist, würde ich Bouldern als gefährlicher einschätzen als Toprope-Klettern. Man kann sich leicht das Fußgelenk verknacksen wenn man falsch aufkommt und auch was brechen. Je nach Fels auch böse entlang schrammen. Trotzdem würde ich das Risiko sich zu verletzen deutlich hinter Vereinsfußball oder Mountainbiking sehen, wenn man innerhalb der eigenen Leistungsgrenzen bleibt.

Vorstieg-Klettern

Vorstieg-Klettern Vorstieg-Klettern

Beim Vorstieg-Klettern bringt man sein Seil von unten mit. In der Halle oder eingebohrten Kletterfelsen hängen dann in regelmäßigen Abständen Haken in die man Expressschlingen (Exen) einhängt und sein Seil dann rein clippt. Man fällt also wenn man weiter klettert immer ein Stück weit unter die zuletzt eingeclippte Sicherung. Weil das Seil das am Gurt eingebunden ist ja darüber ist.

Man kann das dramatisch unterschätzen, selbst wenn man es sehr oft geübt hat. Ich hatte da bereits einen Unfall bei dem meine damalige Kletterpartnerin verletzt wurde: Ich bin beim clippen des letzten Hakens in der Kletterhalle 9 m (Seil schon zum Clippen raus gezogen und Seildehnung waren hier ausschlaggebend) tief gefallen und dann zwar unbequem, aber problemlos 1,5 m über dem Boden hängen geblieben. Die Sichernde hat es aber leider von den Füßen gerissen und ein Stück nach oben mitgenommen. Sie ist mit dem Kopf gegen die Wand geknallt und war kurz bewusstlos. Ergebnis war eine Gehirnerschütterung bei ihr und eine lange Phase voller Schuldgefühle bei mir.

Vorstieg-Klettern ist also durchaus gefährlich!

Eine andere Spielart des Vorstieg-Kletterns ist das Clean- oder Trad-Climbing. Dabei ist nichts (oder nur der Abseilring ganz oben) vorgebohrt und man nimmt Keile, Klemmgeräte (Cams, Friends) mit um sich selbst seine Sicherungen zu legen.

Dabei hatte ich bisher die wahrscheinlich gefährlichste Situation meines Lebens. Es war eine Route in der Südpfalz. Nicht übermäßig schwierig zu klettern aber so im letzten Viertel wurde es doch anstrengend und ich hätte gerne eine Pause gemacht. An der Stelle an der ich war gab es keine Möglichkeit eine Sicherung unterzubringen und der Teil vor mir war etwas überhängend. Als ich nach unten schaute musste ich mit Schrecken (!) sehen, dass meine letzte mobile Sicherung sich durch die Seilbewegung aus dem Riß gelöst hatte (= ich hab Mist gebaut beim Legen). Die nicht mehr vorhandene Sicherung war etwa 3 Meter unter mir. Die vorhergehende eher so 7 Meter. Ich stand also in etwa 16 Metern Höhe mit 7 Metern Abstand zu meinem letzten Sicherungspunkt. Mit Seildehnung und an die Wand gezogenem Sicherer wäre ich wohl auf dem Boden aufgeschlagen. Da runter klettern schwerer ist als hoch, wurde mir eiskalt. Und dann musste ich halt weiter machen. Ich kam dann schwer zitternd oben an und brauchte ne lange Pause vor dem Abseilen.

Das brauche ich nicht mehr. Mach ich auch nicht mehr. Nur noch ganz einfache Routen, mit dichtem Abstand bei den Sicherungen würde ich noch im Vorstieg klettern.

Ein Gutes hatte dieses Erlebnis aber: Mich lässt vieles kalt seitdem. Oft wenn es irgendwo stressig wird und andere nervös werden denke ich nur: “War schon schlimmer. Stirbt niemand deswegen”.

Free-Solo

Free-Solo Free-Solo

Free-Solo nennt man es, wenn man Kletterrouten einfach komplett ohne Sicherung macht. Auch das hab ich ausprobiert. Mit sehr einfachen Routen. Man seilt sich ja auch nicht an um eine Treppe hoch zu gehen. Aufpassen muss man aber schon sehr. Ab einer gewissen Höhe ist ein Ausrutscher dann halt der Letzte.

Mit schwereren oder unbekannten Routen muss ich muss wohl niemandem erklären, dass das sau-gefährlich ist, und jeder vernünftige Mensch das lassen sollte!

Erfahrungen

Nachdem ich das alles mal gemacht habe, würde ich jetzt, wo ich Kinder und eine tolle Frau habe, fast nur noch Toprope-Klettern und Bouldern. Das ist nicht gefährlich, und für den Flow ist es wirklich egal, welche Spielart des Kletterns gewählt wird.

Ich muss niemandem irgendwas beweisen und auch mir selbst nicht. Ich brauche kein Adrenalin. Hab ich nie gebraucht. Aber neugierig auf alle Spielarten war ich eben schon.

Wenn ihr klettern lernen wollt lasst es euch von jemandem zeigen der es wirklich kann! Und wenn ihr auch alles ausprobieren wollt, wie ich, solltet ihr die dazu passenden Kurse machen. Ich hab einige gemacht. Vorstiegskurs, Klettertechnikkurs, drinnen und draußen, mobile Sicherungen legen usw.

Man braucht zwar keinen offiziellen Schein und keine anerkannten Qualifikationen um da draußen sein Leben zu riskieren, aber man sollte alles sicher beherrschen was man braucht. Man hat halt nur ein Leben.

Meine Lieblings-Spots

Hier eine ungeordnete Liste meiner Liebling-Kletter und Boulderspots:

  • Saufels Rodalben
    Viele tolle Boulderstellen, leider teils recht hoher Einstieg.

  • Kalmit Felsenmeer
    Das Boulder-Mekka für mich. Unzählige tolle Spots.

  • Kirkel Felsenweg
    Auch hier kann man prima bouldern. Und das sogar im Saarland.

  • Kippkopffelsen bei Leimen
    Hier gibt es einige schöne Toprope-geeignete Routen mitten im Wald. Schön schattig im Sommer. Die Route “Freundschaft” (UIAA 6-) ist eine meiner absoluten Favoriten. Aber leider oft wegen Vogelbrut gesperrt.

  • Lauterschwaner Rappenfels
    Der “Plattenweg” (UIAA 4+) ist wunderschön, die Aussicht vom Gipfel genial. Man muss allerdings eine leichte Nachbarroute (Kaminweg UIAA 4+) vorsteigen um ein Toprope einhängen zu können. Hab ich bei meinem ersten Kletterkurs in der Südpfalz gemacht und bin mehrmals wieder hin gekommen.

  • Engelmannsfels (Südpfalz)
    Der “Normalweg” (UIAA 1) ist super! Den kann man Free Solo machen. Ist sehr leicht, sicher und trotzdem exponiert, so dass richtiges Klettergefühl aufkommt. Die Aussicht vom Gipfel ist spektakulär. Leider gibt da sonst nicht so viel zu tun. Kinder können sich da aber auch gut die Zeit vertreiben.

  • Schwarze Wand in den Kirner Dolomiten
    Überhängende, leicht speckige Wand mit schönen Routen. Man muss den Normalweg (UIAA 4+) vorsteigen um was einhängen zu können. Der ist aber hinreichend leicht. Die kleine graue Wand in der Nähe ist der “Place to go” für Kletteranfänger und Kinder.

  • Oberhäuser Grat in den Kirner Dolomiten
    Hier ist an schönen Tagen oft viel los. Das Klettergebiet im Nahetal. Viele leichte Routen die man oft auch als Toprope einhängen kann. Spitze für Kinder.

  • Hochstein-Massiv Dahn
    “Dornenriß” (UIAA 5) und “Eichenriß” (UIAA 6-) kann man, wenn man durch die “Tunnel” im Massiv geht leicht von oben einhängen und sie bieten tolle Rißkletterei.

  • Steiner Nadel (Südpfalz)
    Man kann auf der Seite an die der Wanderweg führt einen Teil des Normalwegs (UIAA 2) hoch gehen, dort eine Umlenkung bauen und an der Ostwand abseilen. Dann kann man auch mal in der Pfalz im Toprope mal etwas schwerere Routen klettern. Ich mochte besonders die Routen “Harter Kern” (UIAA 7) und “Eisfinger” (UIAA 8-).

Noch ein paar Bilder

In den meisten Fällen hatten wir früher gar keine Fotos gemacht wenn wir unterwegs waren. Einfach draußen das Leben genießen. Ein paar unserer seltenen Schnappschüsse hab ich aber noch gefunden:

Marc beim Klettern in Igel

2012 Marcs erster Vorstieg im Klettergarten Igel

Kerstin in Kirn

2013 Kerstin auf dem Weg nach oben in Kirn

Marc am Rocklands Turm

2015 Marc am Turm der Rocklands Halle in St Wendel

Kerstin in Landstuhl

2015 Kerstin klettert in Landstuhl

Kerstin am Lauterschwaner Rappenfels

2016 Kerstin im Plattenweg am Lauterschwaner Rappenfels

Timo bouldert am Saufels

2022 Mini-Timo bouldert am Saufels

Tom klettert in Kirn

2024 Toms erstes Outdoor-Klettern in Kirn